Erste Festveranstaltung zum Unigeburtstag im gerade eröffneten Paulinum

„Es ist Vieles ganz neu. Wir probieren es aus. Und ich muss sagen – es macht viel Freude“, begann Rektorin Beate Schücking heute ihre Rede zur Festveranstaltung am Dies academicus. Die Euphorie der vergangenen Tage hallte auch bei ihr nach, denn dieser 608. Geburtstag unserer Universität war der erste, der im gerade eröffneten Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli gefeiert wurde. „Wir sind hier am Augustusplatz auf historischem Boden. Mehr als 750 Jahre stand hier die spätgotische Kirche St. Pauli“, erinnerte die Rektorin an das einschneidende Ereignis im Jahr 1968, als das Gotteshaus auf Geheiß des SED-Regimes gesprengt wurde. Nun wolle die Alma mater diesen neuen „grandiosen Bau“ mit Leben erfüllen.

Und das geschah nicht nur bei den Eröffnungsfeierlichkeiten am vergangenen Wochenende, sondern auch an diesem ganz besonderen Dies academicus. Beate Schücking zog eine Bilanz des vergangenen Uni-Jahres, berichtete über Erfolge und Mühen. Besonders erfreulich sei für sie unter anderem, dass die Universität in der Exzellenzstrategie aufgefordert wurde, einen Vollantrag zum Forschungsthema „Adipositas verstehen“ zu stellen, die Juristenfakultät ausgebaut wurde und die Fachrichtungen Archäologie und Pharmazie in neuer Konstellation etabliert werden konnten. Auch das Forschungszentrum zur Biodiversität, iDiv, entwickle sich „prächtig“.

Ich schaue mit Zuversicht und einer gewissen Begeisterung in die nächsten Jahre.

Weitere universitäre Highlights in 2017 waren laut Schücking die Auszeichnung unserer UB zur Bibliothek des Jahres, die auch international vielbeachteten Ausgrabungen des Ägyptologen Dietrich Raue in Kairo sowie die Tatsache, dass die Alma mater als erste Universität überhaupt den Zuschlag zur Ausrichtung des Bundeswettbewerbs „Jugend forscht“ im Jahr 2019 bekommen hat. Aber auch „Mühen“ habe es gegeben. Als Beispiel nannte die Rektorin die bisher eher schwierige Einführung der neuen ERP-Software, die künftig Finanzen und Personal verwalten soll, jedoch „fehlerhaft“ sei und deshalb vielen Mitarbeitern Nerven gekostet habe. Am Ende ihres Resümees hatte Beate Schücking aber wieder zu ihrem anfänglichen Optimismus zurückgefunden und schloss ihre Rede mit den Worten: „Ich schaue mit Zuversicht und einer gewissen Begeisterung in die nächsten Jahre.“

Der Dekan der Theologischen Fakultät, Rochus Leonhardt, verlieh im Anschluss die Ehrendoktorwürde seiner Fakultät an den Philosophen Volker Gerhardt von der Humboldt-Universität Berlin für dessen „wichtigen Beitrag“ zur Auseinandersetzung zwischen Philosophie und christlichem Glauben. Er äußerte viel Lob, aber auch Kritik an Gerhardts religionsphilosophischem Ansatz. Der Geehrte sagte in seiner Festrede zum Thema „Glauben und Wissen“: „Die Auszeichnung berührt mich zutiefst.“

Sichtlich ergriffen war auch die junge Spanierin Itziar Aldecoa Tamayo, die den diesjährigen Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) erhielt. Die 21-Jährige, die seit 2014 an der Alma mater im Bachelorprogramm International Physics Study Program studiert, wurde damit für ihre sehr guten Studienleistungen sowie für ihr außeruniversitäres Engagement für das gemeinnützige Projekt „NAWEI“ geehrt, das sich für einen nachhaltigen und solidarischen Lebensstil einsetzt. Zwischendurch sorgte Universitätsorganist Daniel Beilschmidt mit seiner musikalischen Begleitung für eine feierliche Stimmung an diesem akademischen Feiertag.

Im Anschluss lud die Rektorin wieder Universitätsangehörige und Gäste zur traditionellen Geburtstagstafel im Neuen Augusteum ein. Interessierte konnten im Paulinum Vorträge von Wissenschaftlern unserer Universität besuchen – etwa zu eingewanderten Tier- und Pflanzenarten oder zur Ausbreitung von Tumoren im menschlichen Körper. Von 12 bis 15 Uhr fand im Neuen Augusteum eine spannende Simultanschachpartie statt: An 20 Brettern spielten simultan die deutschen Schachlegenden Wolfgang Uhlmann und Hans-Joachim Hecht gegen Mitarbeiter und Studenten unserer Universität.

Die Universitätsbibliothek und die Sächsische Akademie der Wissenschaften luden zum „Digital Humanities Day Leipzig 2017“ ein. Die Tagung in der Bibliotheca Albertina befasste sich unter anderem mit online verfügbaren Forschungsdatenbanken zur Universitätsgeschichte, der Erweiterung des Datenbankportals zu Johann Sebastian Bach, der Internet-Objektdatenbank der Kustodie, der datenbasierten Erforschung japanischer Videospiele, der Forschungsplattform „Propyläen“zu Goethes Biographica und virtuellen Archiven für die geisteswissenschaftliche Forschung.

Da der Gründungstag am 2. Dezember in diesem Jahr auf einem Samstag fiel, wurde der Dies academicus heute begangen. Mitarbeiter, Studierende und Gäste der Universität hatten bei mehr als 40 Veranstaltungen die Gelegenheit, sich in den Fakultäten und Einrichtungen umzusehen und sich über Forschungs- sowie Lehrprofile zu informieren.

Susann Huster